Central
1910

Freie Limmat - ausgeräumt und ausgeträumt
| Das Central, bis 1950 Leonhardsplatz geheissen, hat seinen Namen vom Hotel Central, von dem aus unsere Aufnahmen gemacht wurden. Auf die Zürcher Landesausstellung 1883 eröffnet und genau hundert Jahre später hinter rekonstruierter Fassade ganz neu konzipiert, gibt das Hotel dem Gebiet hier an der untersten Ecke der einstigen Altstadt eine weltmännische Atmosphäre. An der 1863 gebauten Bahnhofbrücke gelegen, die nach rechts über die Limmat zum Bahnhof führt, erfreute sich das "Central" einer hervorragenden Fremdenverkehrslage, ausgenommen der "hässliche Anblick" auf die mitten in der Limmat etablierten Handwerkerbetriebe. Sie waren die Nachkommen der mittelalterlichen Mühlen, die hier an riesigen Wasserrädern liefen: Kornmühlen, die Pulver-, später Christoffel Froschauers Papiermühle. Anstelle des "Papierhofs" waren die "Magazine zum Globus" entstanden, ein populäres Warenhaus, das viele jener Kunden abfing, die einst vom Bahnhof dem geschäftigen Limmatquai zustrebten, um ihre Einkäufe zu tätigen. So ging es mit dem pulsierenden, vielseitigen Leben, wie es unsere historische Aufnahme 15. August 1910 zeigt, eines Tages zu Ende. Der Ruf "Freie Limmat!" ertönte. 1949 wurde die Limmat ausgeräumt, der Untere Mühlesteg abgebrochen. Was blieb ist eine leblose, langweilige Wasserfläche. Der neue Steg, der errichtet wurde, führt nirgends hin. Auch der "Globus" wurde 1951 vertrieben und an seiner Stelle ein "Provisorium" (rechts im unteren Bild) erstellt. Geblieben ist grosse Ratlosigkeit, bei den Bauämtern und all jenen Architekten, die an einem Wettbewerb für Neugestaltung des unteren Limmatraumes teilgenommen haben. Das Ergebnis war wenig überzeugend. Was nun? |